Letztens, auf der A7…
Die Bilder sind wieder einigermaßen ausm Kopf, Zeit was dazu zu schreiben. Is ja auch schon ne Woche her.
Klein Bzzz entfernt sich wie jedes Jahr nach Weihnachten und Sylvester von der Sippschaft. Er dachte, er wär am 4. sehr früh dran, dabei laufen die Betriebsferien nicht bis inkl. 10. Januar, sondern nur bis zum 6. (Bayern und Feiertag und so, wir sind ja alle Urchristlich). Aber ich bin ja eh dann am Donnerstag freiwillig hin, weil ich eh in der Ecke einkaufen wollte. Langeweile, die es im Studium nie gab. Jaja.
Weils auf der Hinfahrt nicht geklappt hat (zu spät), und weils auf der letzten Bayernrundreise auch nicht hingehauen hat (ordentlich Schnee am Memmingen), fahr ich also noch im Saturn in Kempten vorbei. Wenn man sich nicht verfährt, wär das nur ein Mini-Umweg. War aber eh umsonst, ziemlich winziger Laden, natürlich haben auch die keinen 21:9-Monitor zum Angaffen (oder gar Mitnehmen) da.
Es wird also 18 Uhr, bis ich auf der A7 bin. Relativ viele LKWs, sonst eher wenig los. Ich fahr durch, weil alle größeren Raststätten grade so unpraktisch liegen, während ich bei 130-140 rückblickend eher ein wenig zu schnell im Regen vorbeirausche. Muss aber nicht, ich brauch nicht alle zwei Stunden Pipipause.
Erwähnenswert wäre noch, dass keine zwei Kilometer nach Abfahrt von Oma schon ein weißer Transporter (allerdings mit Kemptener Kennzeichen) drängelt. Ich fahr ihm wohl zu langsam auf die Bundesstraße auf, und wo 100 gilt, kann man mit nem Sprinter ja 120+ fahren. Wir haben uns freundschaftlich mit Hupe, Lichtlupe, Dauer-Fernlicht und Nebelschlussleuchte über die unterschiedlichen StVOen für private und kommerzielle Verkehrsteilnehmer unterhalten, bis er davonzog. Ich halte ja gern dagegen, aber dort wird auch gern geblitzt, das isses mir nicht wert (ich bin bisher ja absolut strafzettelfrei unterwegs
)
Jedenfalls fallen mir unterwegs noch etliche andere weiße Transporter auf, grade wo eh so wenige PKW unterwegs sind. Unter anderem ein Ulmer Duo mit Partner-Kennzeichen, das drei Mal an mir vorbeikommt – die habens halt zwischendurch mal eiliger gehabt. Und ein anderer Ulmer Transporter in Weiß.
Den treff ich dann kurz vor Würzburg wieder, genauer kurz vor der Abfahrt Biebelried/Kitzingen, um Viertel vor Neun. Ich mit 140 auf der Überholspur, grade kurz einem weißen Audi Platz gemacht, der bei Nieselregen mehr Mut (?) hat. Der zu überholende LKW bremst – gut, seltsam, aber sei ihm gegönnt, ist ja Abwechslung für den Fuß. Außerdem ist der auf der anderen Spur, also was juckts mich. Aber mal uffbasse. Plötzlich bremst aber auch das Auto vor dem Audi. Und der LKW schmeißt das Warnblinklicht an. Alle in die Eisen.
Ich bin noch praktisch zum Stehen gekommen, meine beiden Vordermänner sind mit etwas mehr drübergerumpelt. Als hätt ein Müllauto sich ausgekotzt. Holzteile, Styropor, zwischendrin große Plastikteile, Stoff, Metallgitter. Aber kein Team Orange in der Nähe. Nur ein Ulmer Transporter, der nem anderen Auto hinten reingefahren ist.
Aber wo kommt der Müll her? Karre am Standstreifen abstellen, Taschenlampe schnappen, anschauen.


(von nordbayern.de „News5/Hoefig“ geklaut, die sind aber nach einigem Aufräumen entstanden, da war ich schonwieder fort)
Hat nen Moment gedauert, bis man mit Vorder- und Hintermann zur Unglücksstelle durchsteigt. Und bis klar wurde, dass die Einzelteile mal ein Wohnwagen-Anhänger waren. Sieht man sofort, nä.
Zerfetzter Wohnwagen ist dämlich genug, aber das gibts auch bei TopGear. Oder Brainiac. Keiner weiß so recht, wer zu wem gehört, Autos und LKWs rumpeln über die Trümmer, manch einer räumt schon die gröbsten Teile auf den Standstreifen rüber. Bis folgender komischer Satz fällt: „Wir haben eine Tote.“ Und ein Mann zieht eine passend große Plastiktüte (woher?) über eine der beiden herumliegenden Matratzen.
..Ooha.
Da hat jemand im Wohnwagen geschlafen. In dem Wohnwagen, von dem noch Fahrgestell und drei Zentimeter Außenwand stehen.
Notarzt, Krankenwagen, Feuerwehr und (mit großem Abstand) Bullerei rücken an, brauchen aber gefühlte zehn, fünfzehn Minuten, die Polizei eher ne halbe Stunde (war wahrscheinlich die Hälfte, wer weiß). Trennbare Fahrbahnbegrenzungen wären hilfreich, dann muss man nicht zur nächsten Anschlussstelle rasen und wieder zurück. Einer der anderen Fahrer übergibt zwischenzeitlich die Aufsicht vom Wohnwagenfahrer an mich – dumm ists nicht, auf die Leute aufzupassen, bevor die fernab zusammenklappen, irgendwo hin rennen oder sonstigen Schmarrn fabrizieren, und es niemand mitkriegt. Ich sitz dann neben ihm auf der Leitplanke.
Der Notarzt hatts dann vor Ort irgendwie nicht mehr ganz so eilig, kam aber etwas übermotiviert rüber. „Den holmer wieder zurück“ war wohl die Devise, wobei man sich da ja beeilen sollte. Hat sich geändert, als er zur Matratze niedergekniet ist und erstmal am Fußende nach dem Kopf gesucht hat…na, fifty-fifty. Am Kopfende war dann auch ein Kopf auffindbar. Die Frau hatte jetzt nicht den glücklichsten Gesichtsausdruck, aber sah ansonsten unverletzt aus. Haare schulterlang und regennass – könnte aber auch Blut gewesen sein. Denn im Trümmerfeld gabs genau einen Blutfleck, aber der sah dafür ziemlich nach heftigem Aufschlag aus. Sonstige Verletzte gabs nicht. Die Frau muss sofort tot gewesen sein, anders kann ich mir nicht erklären, wie der linke Arm bei dem Zustand (hallo Medizinstudenten?) nicht völlig blutüberströmt sein konnte. Man munkelte, sie wär von nem LKW überrollt worden, aber das hat dann entweder die Beine getroffen (die ich nie gesehen hab), oder bezeichnet das Aufschlitzen des Arms an irgendwelchen Teilen des Antriebsstrangs. Jedenfalls wurd sie nicht comicmäßig plattgefahren. Naja, man munkelte ja auch, dass irgendwo eine Knarre herumliegen soll. Weiß auch nicht, was daraus geworden ist, ich hab keine gesehen.
Was kann einem diesen Moment noch ungemein versüßen? Richtig, die Unsicherheit, ob einem diese Person total fremd ist. Gesicht? Check. Auffällig weit auseinander stehende Beißer? Check. Haarfarbe, -länge und Restfrisur? Check. Körpergröße? Check. Physischer Zustand inklusive Gewicht? Check. Sogar das Holz vorm Haus hätte gepasst (der Sanitöter muss seine Elektroden fürs Dokumentieren des Herzstillstandes ja irgendwo hinpappen, schnippschnapp.) Ja, mal gut, dass ich auf der Leitplanke saß. Das hätt auch meine Arbeitskollegin Elena sein können. Und ich war mir bis in die Nacht hinein nicht absolut sicher, dass sies nicht war.
Laut Zeitung war die Frau 47 und saß im Rollstuhl. Erstens sah sie aber deutlich jünger aus, und zweitens hat sie einen körperlich fitten Eindruck gemacht. Auf hundert Meter wär das hier schreibende Majo-Männchen nicht hinterhergekommen, für mich passt das nicht zusammen. Aber letztendlich, welchen Unterschied machts für sie und die Angehörigen…
Die Feuerwehr war auch interessant. Im Wohnwagen waren mindestens zwei Propangasflaschen, die irgendwer sogar auf den Standstreifen rübergewuchtet hat. Eine hatte nen kleineren Kratzer, eine hatte eine ziemliche Delle und war undicht, was man sehen, hören und riechen konnte. Jungs, leckende Gasflasche. Bumm. Da muss man nen Feuerwehrler erst halb an der Nase hinziehen, dann guckt der sich die intakte Flasche an, und haut gleich wieder ab. Ich glaub, es hackt. Aber bei der anderen dann gleich alle Leute zehn Meter zurückgeschickt, weil…könnte ja doch gefährlich sein. Wenn man beispielsweise sein Notstromaggregat direkt daneben stehen hat, oder fröhlich mit seiner Handfunke hand..funkt. Als wär das die Dorffeuerwehr von Kleinkleckersdorf, die höchstens mal nen Keller leerpumpen darf, so als Jahreshighlight. Aber genug Leute hat man, um beispielsweise mich aufm Weg zur Polizei aufzuhalten und mir die aufgesammelte Reisekasse direkt abzunehmen. Das ist nämlich voll Job der Feuerwehr. Ich würde wetten, die haben die Reste einfach zusammengekehrt und entsorgt, trotz Hinweis, dass mehrere tausend Euro rumliegen. Na, eineinhalb bis zwei davon dürften ja zurückgekommen sein, was man halt so macht, wenn die Mediziner schon beschäftigt sind, die Feuerwehr noch auf Parkplatzsuche ist, und die Polizei noch nicht mal auf der Gegenseite vorbeigekommen ist.
Dem Bzzz ist alles heile geblieben, viel mehr kann ja auch nicht mehr putt gehen. Auto auch okay trotz dem Überfahren von viel Klein- und Großzeug, immerhin hats mir nicht (wie den zweien vor mir) Kühler, Stoßstange und/oder Tank aufgerissen. Die Jungs und Mädels vom Heidingsfelder Spindler waren da auch sehr nett mit einer sofort reingeschobenen Miniinspektion am nächsten Tag, und sie wollten nicht mal was dafür haben (nicht mit mir…). Bleibt nur das ungute Gefühl, wenn ich Elena sehe, und wahrscheinlich sollt ich nie wieder an Propan schnuppern, denn der Geruch ist jetzt ziemlich sicher mit dem Abend verknüpft. Dafür bin ich jetzt auch mal GANZ ALLEINE auf der Autobahn gefahren, denn nach mir war ja für Stunden noch gesperrt.
Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Bei meiner letzten Zugfahrt auf der Strecke, bevor ich bequemerweise ganz aufs Auto umgestiegen bin, hatten wir noch lustig von den „Polizeieinsätzen am Gleis“ gesprochen, u.a. nachdem der Nürnberger Hauptbahnhof wegen ein paar Idioten aufm Gleis dichtgemacht wurde. Aber wenn die Lok halt auf offener Strecke einen mitnimmt, dann sieht man in den Wagen dahinter kaum was, reicht ja gar nicht so weit. Macht das Zusammensammeln zwar etwas schwierig, aber der Fahrgast hat danach keine hässlichen Bilder im Kopf. Soll aber nicht heißen, dass ich dem Bummelbahnfahren mit ewiger Wartezeit in Augsburg nachtrauere. Nur ist Autofahren halt doch ein risikoreiches Geschäft. Aber solang ich keinen Flugplatz vor der Tür und Privatjet und Heli im Hangar stehen habe…
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